Wasserschloss Syburg

Als ich das erste Mal vom Wasserschloss Syburg hörte, dachte ich, ich könnte euch ein kleines, schmuckes Schlösschen präsentieren, das von Wasser und Natur umgeben und ein kleiner Geheimtipp ist. In meinem Kopf stand da ein klassisches Wasserschloss, umgeben von einem Graben – als ich das Schloss aber tatsächlich sah, war ich ziemlich schockiert.

Geschichte des Schlosses Syburg

Zwischen Nennslingen und Thalmannsfeld befindet sich der kleine Ort Syburg, zu dem auch das Schloss gehört. Es befindet sich im Privatbesitz – etwas, was mich zu Beginn kaum störte, da ich mir einen tollen Blick von außen auf das Schloss erhoffte, ähnlich wie bei Schloss Möhren oder der Burg Kipfenberg, wo die Besitzer zwar auf ihrem Privatgrundstück leben, das Schloss aber vorbildlich pflegen und sogar Teile davon, zum Beispiel wie bei Schloss Möhren in Form von Ferienwohnungen, der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Wasserschloss Syburg Torturm

Das Wasserschloss hat seine Ursprünge im 11. Jahrhundert und ist damit der älteste Adelssitz Mittelfrankens. Ein Gebäude, das es schon allein wegen seines historischen Wertes zu Erhalten gilt – oder gelten sollte. Das erste Mal wurde es 1470 urkundlich erwähnt, im 18. Jahrhundert wurde es im Stil des Rokoko ausgebaut. Eine große Orangerie und ein Gartenpavillon wurden mitsamt eines Parks an das Schloss erweitert und der Torturm errichtet. Die Glanzzeit der Anlage, denn nachdem Maximilian Ernst Freiherr Schenk von Geyern das Anwesen 1970 verkaufte, begann der traurige Verfall. 1977 wurde das Wasserschloss von einem Privatmann ersteigert, der das Schloss im Erlenbachgrund weder renovierte, noch sanierte oder sonstige denkmaltechnische Schritte einleitete. Hinzu kommt, dass der Schlossherr beziehungsweise seine Familie seit jeher im Rechtsstreit mit der Gemeinde, dem Freistaat Bayern und gefühlt jeder weiteren Instanz sind.

Wasserschloss Syburg Torturm

Schloss Syburg verfällt

Sogar mit bloßem Auge lässt sich das erkennen. Der ehemalige Park ist komplett zugewuchert, Farbe blättert von der Fassade an sämtlichen Gebäuden. An manchen Stellen ist die Mauer, die das Grundstück umgibt, schon abgebrochen. Ein ähnlich trauriges Bild bietet der Torturm:  Ziegel brechen daraus und das Ziffernblatt der stehen geliebenen Uhr ist komplett verrostet. Die Fensterscheibe darunter ist eingeschlagen und die umliegenden Gebäude sehen allesamt verlassen und trist aus. Ein trauriger Anblick für ein Gebäude, das eine solche historische Bedeutung hat. Umso schlimmer ist es, wie das Schloss dazu kam, nun ein so trauriges Dasein fristen zu müssen.

Wasserschloss Syburg Parkanlage

Die letzten 40 Jahre

Als der heutige Besitzer der Burg, besser gesagt dessen Vater, der vergangenes Jahr im Mai verstorben ist, das Gebäude kaufte, hatte dieser einen Plan. Er wollte aus der Burg eine Hotelanlage machen. Was aus diesem Plan wurde, weiß keiner so genau. Denn statt die Wasserburg Syburg zu pflegen und zu einem Ort zu machen, der auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann, stürzte sich die neue Besitzerfamilie in einen schier ewig dauernden Rechtsstreit, der bis heute noch nicht vollends geklärt ist und sicher noch einige Jahre andauern wird.

Wasserschloss Syburg

Alles begann damit, dass sich in der Nähe des Wasserschlosses eine Kläranlage befindet. Eine Kläranlage, die nachweislich top in Schuss ist und alle erforderlichen Werte vorbildlich erfüllt.
Der Burgherr sah das anders. Er war der Meinung, dass aus der Kläranlage „illegal unbehandelte und behandelte Abwässer in den Schlossweiher und in das Grundwasser fließen“ (Süddeutsche Zeitung). Angeblich sollten Kochsalze und Nitrate in das Gewässer geflossen sein bzw. immer noch fließen und so die Grundmauern des Schlosses beschädigen. So landete die Sache erstmals 1980 vor Gericht. Seitdem wird immer wieder bewiesen, dass dem nicht so ist – und immer wieder klagt der Schlossherr dagegen und erhebt Einspruch. Eine Geschichte, die scheinbar nie enden mag.
Hinzu kommt, dass der Schlossherr der Bundesrepublik und der Gemeinde Bergen immer wieder Rechnungen stellt. Angeblich als eine Art Schadensersatz 5 Liter Mineralwasser pro Person und Tag – da es schließlich nicht möglich wäre, das Wasser aus dem Schlossbrunnen zu nutzen. Dass der eigene Schuldenberg über die zahlreichen Gerichtsverfahren immer weiter wächst, scheint da wenig zu interessieren.

Wer die gesamte Geschichte über die zahlreichen Klagen der Besitzer lesen möchte, dem kann ich diesen Artikel der Süddeutschen empfehlen. Weitere Informationen rund um den Fall findet ihr sowohl auf Nordbayern.de als auch bei einem Artikel des Altmühlboten.

Wasserschloss Syburg Parkanlage

Wie sieht die Zukunft von Schloss Syburg aus?

Auch das ist ungewiss. Im Januar 2017 hätte das Wasserschloss zwangsversteigert werden sollen. Damals geschätzter Wert: Etwa 110.000 Euro. Lächerlich gering, wenn man bedenkt, wie prunkvoll dieses Gebäude einst ausgesehen haben muss und welche Flächen damit verbunden sind. Obwohl sich zahlreiche Interessenten gemeldet haben, wurde die Versteigerung im Februar abgeblasen. Nähere Gründe dafür kann man im Internet leider nicht finden.

Aktuell findet sich an einem eingebrochenen Mauerstück am Park ein Schild, das vermutlich der neue Besitzer, der Sohn, angebracht hat. „Information Schloss Syburg“ ist darauf zu lesen, ein QR-Code abgebildet und der Link zu einem YouTube-Video hinterlegt. Das Video zeigt Luftaufnahmen des verwahrlosten Schlosses. Die komplette Seite mit einem weiteren Video und einigen Aufnahmen findet ihr hier.

Falls ihr noch weitere Bilder sehen möchtet, kann ich euch den Blog von Schloss Möhren empfehlen. Sandra bloggt dort zwar auf Niederländisch, die winterlichen Fotos von der Wasserburg, die sie auf ihrer Seite veröffentlicht hat, sind aber dennoch wirklich sehenswert! Dort seht ihr unter anderem auch Bilder der Orangerie von innen und weitere Orte, die man von außen nicht einsehen kann.

Wasserschloss Syburg Orangerie

Ich bin jetzt auf jeden Fall gespannt, wie sich die Situation weiterentwickeln wird und hoffe sehr, dass das Schloss auf irgendeine Art und Weise erhalten werden kann. Schön wäre es natürlich, wenn es hergerichtet und dann der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden würde – durch den schönen Park, Räume die man für Veranstaltungen mieten könnte oder vielleicht sogar den ein oder anderen Weihnachtsmarkt, der dort in romantischer Atmosphäre abgehalten werden könnte. Für eine Immobilie wie dem Wasserschloss Syburg sollten die Ideen und Möglichkeiten doch nahezu grenzenlos sein.

Ich würde mich freuen, wenn ihr den Beitrag kommentiert und auch mit euren Freunden und bekannten zeigt. Ich selbst lebe keine 20 Kilometer von Syburg entfernt und kannte den Ort und das Schloss bis vor Kurzem überhaupt nicht.
Kerstin

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